Episode 1 - Leben in Schweden
Shownotes
Hej und herzlich willkommen zur allerersten Folge von POLARFUNK! Hier bekommst du einen Überblick über das Leben in Schweden mit Host Wiebke.
Das erwartet dich in Episode 1
Wiebke nimmt dich mit auf eine persönliche Reise in den hohen Norden: Sie lebt seit über 4 Jahren mit ihrer Familie in Skellefteå, Nordschweden und teilt in dieser Folge offene Eindrücke vom Alltag, von Vorurteilen und von echten nordischen Mythen. Wie ist es wirklich, zwischen Polarlichtern und langen Wintern zu leben? Und was unterscheidet Bullerbü von Büroalltag?
Nordnotiz & Kulturschock:
Lappland: Dunkelheit, Helligkeit und Polarlichter
Schwedische Gelassenheit, Kommunikation & „Lagom“
Fun Fact aus der Nordnotiz: Warum haben Schweden keine Vorhänge?
Neugierig auf mehr?
In der nächsten Folge trifft Wiebke eine weitere Auswanderin, die gerade dabei ist, eine Familie in Schweden zu gründen.
Hast du Fragen oder kennst du weitere Mythen über Skandinavien? Dann schreibe uns auf Instagram (https://www.instagram.com/arcticforbeginners/?hl=de)) oder hinterlasse einen Kommentar zum Podcast!
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Bis zum nächsten Mal – hej då!
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Transkript anzeigen
00:00:00: Hey, ich bin Diebke.
00:00:01: Ich lebe seit vielen Jahren ganz im Norden von Schweden.
00:00:04: Und das hier?
00:00:05: Das ist Polarfunk.
00:00:08: Hände ich das Leben mit Schnee und Eis, aber auch die skandinavische Lebensart interessiert, dann bist du hier genau richtig.
00:00:16: Polarfunk.
00:00:17: Mein Podcast mit Geschichten aus dem Norden.
00:00:20: Herzlich Willkommen bei Polarfunk, dem neuen Podcast aus Nordschweeden.
00:00:25: Und ja, mein Name ist Jüdger und hier geht es in diesem Podcast um das Leben ganz im hohen Norden und Themen, die mit Skandinavien im Allgemeinen zu tun haben.
00:00:35: Ich habe mir vorgenommen hier ganz ehrlich und ungeschminkt und vielleicht manchmal auch ein bisschen clichéhaft über das Leben in Skandinavien zu reden und heute wollte ich gerne mit euch über die Mythen und Missverständnisse rund um das Leben in Schweden reden.
00:00:50: Du weißt schon, Schweden, das Land, in dem alle ständig Viecher machen, nie streiten und angeblich in perfekt eingerichteten Holzhäusern wohnen.
00:01:00: Ich sag mal so, schon mal vorweg, es gibt einen kleinen Unterschied zwischen Bullerbü und Büroalltag in Schweden, aber mehr dazu wirst du hier in dieser Folge erfahren.
00:01:11: Bevor wir jetzt richtig loslegen, dachte ich mir, ich erzähle ein bisschen was zu mir selbst.
00:01:15: Die einen oder der andere kennen mich vielleicht schon, denn mein Name ist Javidge und bei Instagram bin ich vor allem bekannt.
00:01:23: Unser dem Namen Arctic for Beginners.
00:01:24: Und ich bin vor über vier Jahren mit meiner Familie ganz in den Norden nach Schweden ausgewandert.
00:01:29: Und hier leben wir in einer Gemeinde, die heißt Cheleftio, wird ganz anders geschrieben und das ist immer ziemlich schwierig, den Namen, den Schriftbild zuzuordnen.
00:01:39: Und wir leben hier mit Polarlichtern, langen Wintern, aber auch endlosen Tagen im Sommer und haben hier ein ganz neues Leben angefangen.
00:01:50: Das heißt also, ich möchte euch ein bisschen an meinen Erfahrungen als Auswanderin teilhaben lassen und auch ein bisschen aus meinem Alltag erzählen, wie wir hier oben so leben.
00:01:59: Aber in diesem Podcast wird es auch ein paar Gäste geben ab und an, sodass ich mir spannende Gesprächspartner in einladen kann.
00:02:06: Und ja, ich hoffe, ihr habt richtig Lust drauf, ich habe riesige Lust auf diesen Podcast und freue mich so, dass es jetzt endlich weitergeht im Podcaststudio und ich hier wieder vor meinem Mikro sitzen kann.
00:02:17: Bevor wir hier so richtig loslegen, habe ich eine kleine Nordnotiz für dich, denn hier in diesem Podcast wird es immer eine kleine Nordnotiz geben, mit kleinen Fun Facts und Dingen, die du dir vielleicht noch nicht wusstest.
00:02:28: Und vielleicht weißt du sie aber auch schon.
00:02:30: Deswegen habe ich gedacht, ich stelle euch am Anfang der Episoden immer eine Frage, die ich am Ende auflösen werde.
00:02:36: Und dann könnt ihr euer Wissen selber testen und mal herausfinden, ob ihr richtige Skandinavien-Känner seid.
00:02:43: Meine erste Nordmotivs heute ist die Frage, wusstest du, dass viele Schweden keine Vorhängen an ihren Fenstern haben und dass das etwas mit Vertrauen zu tun hat?
00:02:53: und kleiner Spoiler, das hat nichts mit der Redewendung hinter schwedischen Gardinen sitzen zu tun.
00:02:58: Also warum das so ist erfährst du am Ende und vielleicht weißt du es auch schon.
00:03:04: Heute in der ersten Folge soll es ja ein bisschen um den Alltag in Schweden gehen, also wie ich ihn erlebe als deutsche Auswandererin in Schweden und auch so ein bisschen um Mythen und Missverständnisse.
00:03:16: Ich glaube, Der größte Mythos oder das, was wir deutschen Schweden ganz oft verbinden, ist ein richtiger Klassiker, nämlich die Fikertradition in Schweden.
00:03:26: Und die meisten Deutschen glauben, dass in Schweden eigentlich den ganzen Tag Kaffee getrunken wird und Zimtschnecken gegessen werden.
00:03:32: Und ja, dieser Mythos, ich glaube, da steckt tatsächlich etwas dran, der ist schon ziemlich real, zumindest, was das Kaffee trinken angeht.
00:03:40: Aber Fika ist eine ganz andere Sache, als wir es uns in Deutschland so vorstellen.
00:03:45: Denn es ist weniger ein Ritual, das nichts tun, sondern eine richtige soziale Verpflichtung.
00:03:51: Besonders, wenn man in Schweden arbeitet.
00:03:55: In meinem Job hier in Schweden, da ist es immer so, dass wir sogar festgeschriebene Fika-Zeiten haben.
00:04:01: Zweimal in der Woche treffen wir uns im Kollegium und haben Fika zusammen.
00:04:05: Und zunächst habe ich gedacht, okay, wir treffen uns, quatschen ein bisschen.
00:04:09: und haben Essen zimtschnicken oder irgendwas Süßes.
00:04:11: Aber der erste Kulturjagd für mich, oder die erste Überraschung für mich war, dass es in Schweden tatsächlich super selten süße Sachen zur Fika gibt.
00:04:20: Denn Fika ist in Schweden eher so was wie bei uns in Deutschland das Abendbrot.
00:04:24: Also es gibt meistens Brot und das Brot in Schweden ist halt, naja, aus Deutschland ist es jetzt oftmals nicht so lecker, denn es gibt irgendwie Weißbrot und Toastbrotfehl, was nicht getoastet wird.
00:04:36: Und da macht man sich Butter drauf oder man ist dazu Wurst und Käse.
00:04:41: Meistens gibt es noch ein bisschen Gemüse.
00:04:43: Aber sehr selten gibt es eigentlich Zimtschnecken.
00:04:46: Ich glaube, wir haben noch nie in den vier Jahren, ich habe jetzt vier Jahre hier in Schweden gearbeitet.
00:04:50: Und ich glaube, ich hatte noch nie Zimtschnecken.
00:04:52: Ich hatte einmal gab es Prinzessinnen-Torte als ein Kollege einen runden Geburtstag hatte.
00:04:57: Das war quasi was ganz Besonderes.
00:04:58: Ansonsten gibt es eher herzhafte Sachen zu Fieger.
00:05:02: Und wir haben zwar diese zweimal wöchentlich festgeschriebenen Fiegerzeiten bei uns auf Arbeit, aber ganz oft ist es so, dass man da halt auch wirklich erscheinen muss, denn es wird als sehr negativ wahrgenommen, wenn man da eben nicht hingeht.
00:05:17: Und ich muss sagen, nach einem langen Arbeitstag in der Schule bin ich auch oft ziemlich müde und hab den ganzen Tag mit Leuten geredet, den ganzen Tag mit Schülern Kontakt gehabt.
00:05:25: Und ich finde es dann immer relativ anstrengend sogar, mich zu diesen zweimaligen Fieger treffen zu quälen.
00:05:31: Denn die Gespräche sind meistens für mich etwas gekünstelt, denn wir haben sogar die Order bekommen von unserem Chef, dass wir nicht über die Arbeit reden dürfen.
00:05:42: Das heißt, wir dürfen uns nicht über Schule unterhalten.
00:05:44: Ich bin Lehrerin, nur so zur kleinen Information.
00:05:47: Ich arbeite hier als Lehrerin.
00:05:50: Ich finde es manchmal etwas schwierig, Gesprächsthemen zu finden.
00:05:53: Ich bin vielleicht auch nicht so gut im Smalltalk und manchmal weiß ich auch nicht so genau, was jetzt von mir erwartet wird.
00:05:59: Und deshalb finde ich die Situation als Ausländerin oftmals auch ein bisschen stressig.
00:06:04: Mittlerweile habe ich natürlich auch Freundschaften zwischen den Kollegen entwickelt und man hat dann so seine Themen, über die man redet.
00:06:10: Aber diese Themen dürfen halt nicht zu kontrovers sein.
00:06:13: Also man darf nicht über Politik reden zum Beispiel oder über andere Dinge, die irgendwie zu verfänglich sein könnten, wo man unterschiedliche Meinungen hat, sondern man redet eher über die Haustiere, die Kinder, über Hobbys, über das Wetter sehr gerne.
00:06:30: Es ist halt sehr, sehr wichtig, dass man diese Zeit nutzt, um wirklich miteinander Zeit zu verbringen und das Team zu stärken.
00:06:37: In Schweden gibt es tatsächlich sehr, sehr viele Fickerpausen.
00:06:40: In vielen Unternehmen gibt es vormittags eine Fickerpause und nachmittags eine Fickerpause, die auch so festgeschrieben sind.
00:06:46: Und meist zu festen Zeiten, an denen man sich trifft, aber zwischendurch, wenn man noch eine kleine Pause machen möchte, trifft man sich auch immer im Personalraum.
00:06:54: So gut wie alle Unternehmen haben eigene Personalräume.
00:06:57: Das sind so kleine So eine Mischung aus Wohnzimmer und Küche.
00:07:00: Meistens gibt es eine Küche, an der man sich Kaffee kochen kann oder sein Mittagessen warm machen kann.
00:07:06: Und dann gibt es noch einen Sofa-Bereich, wo man einfach sitzen kann und ein bisschen chillen kann, wie man heutzutage sagt.
00:07:14: Und dann verbringt man sozusagen Zeit miteinander.
00:07:18: Und das ist halt super wichtig, dass man quasi Gesicht zeigt, auch mal im Laufe des Tages.
00:07:23: und dort sich einfach hinsetzt und ein bisschen schnattert.
00:07:26: Ansonsten wird man schon auch komisch angeguckt und man bekommt mehr und mehr das Gefühl, dass man in einem Team nicht dazugehört.
00:07:32: Also Fika, ja, Zimtschnecken, nein.
00:07:36: Ich würde sagen, Zimtschnecken sind gar nicht so eine große Sache.
00:07:39: Die Schweden wissen natürlich selbst, dass Zimtschnecken zu ihnen gehören und ein Teil, die wichtiger Teil ihrer Kultur sind.
00:07:45: Sie sind auch sehr stolz darauf, dass die Zimtschnecken auf der ganzen Welt bekannt sind.
00:07:49: Aber ich würde nicht sagen, dass sie so unbedingt das wichtigste Gebäck sind.
00:07:54: Denn in Schweden gibt es ja auch einen richtigen Viecherkalender.
00:07:57: Das heißt, es gibt für einzelne Gebäckstücke Feiertage, was ich auch sehr, sehr niedlich finde.
00:08:02: Und da wird dann immer saisonal so ein bisschen unterschieden.
00:08:06: Natürlich gibt es auch den Kanäl Billensdark, also den Zimtschnecken-Tag Anfang Oktober, an dem man auch natürlich Zimtschnecken weckt und sich austauscht über Rezepte.
00:08:16: Aber Es gibt alle möglichen Gebäckstücke, es gibt so viele Variationen.
00:08:21: Und ich würde sagen, wichtiger als die Zinsschlecken in Schweden sind vor allen Dingen die Semla, die es im Februar gibt.
00:08:27: Das sind so gefüllte Pfannkuchen mit Sahne, gefüllte Pfannkuchen, würde ich sagen, also Berliner.
00:08:33: Und dann gibt es noch zur Lucia-Zeit, die sind auch sehr, sehr wichtig und werden sehr viel gegessen.
00:08:39: Gibt es noch die Lissekatter?
00:08:41: Und das sind ... Also, das sind solche Kringeln mit Safran und die gibt es meistens zum Lucier-Tag in Schweden, der sehr wichtig ist und sehr viel gefeiert wird.
00:08:52: Und ich würde sagen, diese Sachen sieht man tatsächlich häufiger auch am Arbeitsplatz als frische selbst gebackene Zimtschnecken.
00:09:00: Ein weiterer Mythos oder ein Vorurteil, das mir super, super oft entgegenschlägt.
00:09:06: ist der Blickwinkel von Deutschland auf Lapland.
00:09:09: Und ich lebe ja seit über vier Jahren in Lapland und finde es so lustig, weil ich natürlich die gleichen Vorurteile hatte, bevor ich hierhergezogen bin.
00:09:17: Also ich muss ehrlich sagen, als wir hierhergezogen sind, kannte ich den Norden von Schweden einfach noch gar nicht.
00:09:22: Wir haben uns vorgenommen, ein Abenteuer zu erleben und waren selbst noch nie so weit im Norden.
00:09:27: Wir kannten Schweden schon ganz gut, so bis Stockholm würde ich sagen, weil wir viel unterwegs, so wie wahrscheinlich viele andere Deutsche auch.
00:09:34: Aber viel weiter nördlich als Stockholm waren wir vorher noch nie.
00:09:37: Und bis heute bekomme ich sehr oft Nachrichten wie, ja, das ist ja total schön, aber diese komplette Dunkelheit im Winter, die würde ich nicht aushalten.
00:09:46: Oder die Leute sagen, ja, aber da lebt doch keiner, da gibt es doch keine Menschen, da gibt es doch einfach nur Dunkelheit.
00:09:52: Und immer wieder sind die Leute auch überrascht, wenn ich dann sage, ja, aber im Sommer gibt es dafür.
00:09:56: rund um die Uhr Helligkeit, weil den Teil vergessen ganz viele und ich habe den tatsächlich am Anfang auch vergessen.
00:10:02: Und mir ist es dann erst bewusst geworden, als wir im Sommer einundzwanzig hier hochgefahren sind.
00:10:06: Ich dachte, wow, es ist wirklich vierundzwanzig Stunden hell, es gibt keine Nacht mehr.
00:10:10: Und natürlich gibt es dann im Winter gedämmensprechend eine relativ kurze Phase, wo wir fast nur Nacht und kaum Tag haben.
00:10:18: Aber... Aufgrund der Erdkrimmung ist es so, dass momentan wir jetzt in die dunkle Phase des Jahres beginnen.
00:10:27: Und momentan ist es so, dass obwohl die Sonne erst spät aufgeht, wir schon zwei Stunden vorher Tageslicht haben.
00:10:34: Und das wusste ich.
00:10:35: persönlich auch nicht, aber es ist ein großer Mythos über den Norden in Schweden, dass man eben denkt, es ist wirklich komplett dunkel.
00:10:43: Und sogar nördlich des Polarkreises, wenn man dann im Winter offiziell gar keinen Tag mehr hat und gar keinen Sonnenaufgang mehr hat, ist es so, dass es immer noch hell wird.
00:10:52: Erst in der Hocharktis, also ungefähr in Spitzbergen, was ja der nördlichste Punkt unseres Planeten ist, wo Menschen noch leben, nur da gibt es dann monatelange Schwerze, aber Es ist sehr stückweise.
00:11:06: Also sogar in Tromsø hat man ja Polarnacht und da gibt es auch eine gewisse Zeit, wo es ganz dunkel ist.
00:11:11: Aber es ist schon soweit nördlich, das Polarkreis ist, dass es auch dort, obwohl schon offiziell kein Sonnenauf und Untergang mehr stattfindet, immer noch hell wird.
00:11:19: Und das hat mich total überrascht.
00:11:20: Deswegen finde ich persönlich die dunkle Jahreszeit auch gar nicht so schwer auszuhalten.
00:11:25: Denn das Wetter ist meistens sehr, sehr gut.
00:11:28: Wir haben oft Schnee.
00:11:30: Und der Schnee führt schon mal dazu, dass es alles heller aussieht draußen.
00:11:34: Und selbst wenn wir im Winter, ich lebe ja ein bisschen südlich des Polarkreises, aber selbst wenn wir im Winter die dunkelste Zeit des Jahres haben, da haben wir natürlich nur noch wenige Stunden, wo es die Sonne über den Horizont schafft.
00:11:48: Aber insgesamt kommen wir, was das Tagesrecht angeht, schon so auf sechs Stunden, würde ich sagen.
00:11:54: Einfach, weil wir mehr als zwei Stunden vor und nach dem Sonnenaufgang noch Helligkeit haben.
00:12:01: Und ja, dadurch war ich dann selbst auch sehr überrascht, dass gerade die dunkle Jahreszeit wirklich die schönste Jahreszeit hier oben ist und ich kann es jedem von euch mal empfehlen, hier ganz in den Norden zu kommen.
00:12:14: Ganz viele, die hier auch in Winterurlaub planen, in Lapland, die denken leider aber, dass es immer Nordlichter gibt und das ist leider auch ein bisschen falsch, also es ist auch ein Mythos, denn wir haben zwar schon sehr häufig Polarlichter, aber es kommt dabei immer sehr auf die Intensität an und auf viele Faktoren, zum Beispiel muss es wolkenfrei sein, sobald es bewirkt ist es sehr schwer polarlich, da zu sehen.
00:12:38: Dann ist es immer gut, wenn man einen Sonnensturm hat, da hat man eine hohe Intensität der Sonnenstrahlung quasi.
00:12:44: Da hat man dann eine hohe Intensität und eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, polarlich da auch gut sehen zu können.
00:12:51: Und häufig ist es leider so, dass man sie zwar sieht und wenn man keinen Sonnensturm hat, dann sieht man zwar so ein leichtes grünes Schimmern am Himmel, aber es ist dann nicht ganz so beeindruckend, mit dem bloßen Auge zu sehen.
00:13:02: Dann da sieht man es tatsächlich mit einer Kamera, mit einer längeren Belichtung sehr viel intensiver als mit dem bloßen Auge und viele sind dann auch ein bisschen enttäuscht, weil sie denken, okay, das habe ich mir irgendwie spektakulierer vorgestellt.
00:13:13: Ich muss aber sagen aus persönlicher Erfahrung, wenn man dann einen Sonnensturm hat und das Glück hat, dass der Himmel frei ist, es dunkel genug ist, das ist bei uns eben auch immer die Sache im Sommer, es ist ja viel zu hell, da haben wir manchmal Sonnenstürme, aber wir können natürlich nichts sehen und es muss schon sehr dunkel sein, um die Aurora zu sehen.
00:13:29: Aber wenn man dann das Glück hat und es ist dunkel und alle Faktoren stimmen und man hat einen Sonnensturm, dann ist es tatsächlich ein unglaublich intensives und tolles Erlebnis, was sogar viel besser ist, als als auf der Kamera rüber kommt.
00:13:43: Und dann heißt es einfach nur genießen.
00:13:45: Ja.
00:13:46: Und auch das Thema Schnee ist immer eine Sache, was den hohen Norden Europas angeht.
00:13:51: Also wir sind ja auch die Region gleichzeitig, die je weiter man nach Norden kommt, desto stärker sind wir leider von dem Klimawandel betroffen.
00:13:59: Und deshalb werden auch momentan unsere Winter immer kürzer.
00:14:05: Natürlich lebe ich noch nicht so lange hier, um das jetzt wirklich beurteilen zu können.
00:14:09: Ich kann jetzt nur erzählen von dem, was mir die Leute erzählt haben, die ihr schon seit Generationen leben und die mir von ihren Großeltern und Urgroßeltern erzählen.
00:14:17: Und da war es halt wirklich so, dass im Oktober der Schnee gefallen ist und der dann bis Mai liegen geblieben ist.
00:14:23: Und wir haben tatsächlich oft auch schon im Oktober Schnee, aber der schwillt dann wieder und bis der Winter dann wirklich da ist, dauert es schon ein paar Wochen.
00:14:30: Das ist dann immer so ein Hin und Her zwischen Herbst und Winter.
00:14:34: Und in dieser Phase befinde ich mich gerade.
00:14:36: Ich genieße gerade auf jeden Fall, dass wir Herbst haben und dass der dieses Jahr sehr lange dauert.
00:14:41: Normalerweise ist der schon ab Mitte September eigentlich fast vorbei.
00:14:46: Und wir haben dieses Jahr einen sehr, sehr langen und milden Herbst.
00:14:48: Ich bin gespannt, was wir für einen Winter bekommen werden.
00:14:51: Aber es ist nicht so, dass man immer schon ab Oktober eine Schneegarantie hat in Nordschweden.
00:14:58: Nur um diesen Mythos einmal aufzuklären, Hier ganz oben im Norden ist es definitiv nicht immer dunkel und vor allen Dingen intensiv ist auch die Zeit im Sommer, in der man rund um die Ohrhelligkeit hat.
00:15:12: Wir haben übrigens ganz andere Zeiten als in Deutschland, das finde ich auch immer interessant, denn jetzt würde ich sagen... Im Herbst geht es einfach sehr, sehr schnell mit der Dunkelheit.
00:15:22: Also wir haben ungefähr pro Woche momentan mehr als eine halbe Stunde weniger Licht am Tag.
00:15:27: Und das macht sich schon bemerkbar.
00:15:28: Das geht so schnell, dass wir jetzt Deutschland natürlich schon hinter uns gelassen haben.
00:15:32: Bei euch ist es jetzt viel heller als bei mir.
00:15:35: bei uns dann auch so, dass es ab ungefähr Februar dann wieder kippt und wir dann wieder mehr Tageslicht haben als in Deutschland.
00:15:42: Das geht so, so schnell.
00:15:44: Diese ganzen verschiedenen Jahreszeiten hier, auch der Winter ist nicht gleich der Winter und der Sommer ist nicht gleich der Sommer.
00:15:51: Da sind sehr, sehr kurze Abschnitte immer nur ein paar Wochen, in denen man eine Jahreszeit hat.
00:15:55: Und dann merkt man einen richtigen großen Wandel in der Natur sogar im Winter.
00:15:59: Und deshalb wird auch gesagt, dass hier in Lappland beispielsweise acht Jahreszeiten statt vier Jahreszeiten sind.
00:16:05: Und ich genieße das total, dass alles so schnell geht.
00:16:08: Das ist eben nicht so dieser graue Einheits-Match.
00:16:13: Das nassgraue Wetter, was ich aus Deutschland kannte, was mir wirklich auch immer aufs Gemüt geschlagen hat.
00:16:19: Also mir ging es irgendwie in Norddeutschland und in Berlin nicht so richtig gut.
00:16:23: Den Winter über bei zwei, drei Grad, Nieselregen und ein bisschen Wind.
00:16:28: Und einfach nur grauen Himmel.
00:16:31: Und das finde ich hier oben im Norden viel schöner, was habe ich jedem sagen kann, wenn ihr meint ihr wollt nicht in den Norden, weil es euch zu dunkel ist und ihr mit der Dunkelheit nicht klarkommen würdet, gebt ihm, gebt der Sache mal eine Chance und kommt mal im Winter in den Norden und ihr werdet erstaunt sein, wie wunderschön der Himmel ist, wie wunderschön das wenige Licht ist, was wir haben, wie beeindruckend die Sterne sind, der Sternenhimmel und natürlich dann die Polarlichter.
00:16:55: Und all das zu erleben ist einfach ein einmaliges Erlebnis.
00:16:58: Deswegen mache ich jetzt gleich mal ein bisschen Werbung dafür, dass ihr mal in den Norden, in den Urlaub kommt im Winter.
00:17:05: Wie ihr ja vielleicht wisst, bin ich ja bei Instagram aktiv und habe auch eine relativ große Community, also bei Instagram, YouTube und TikTok und bekomme natürlich immer sehr, sehr viele Nachrichten.
00:17:14: zu Schweden und Fragen zum Leben in Schweden.
00:17:17: Und dabei ist mir aufgefallen, dass viele in Deutschland das Bild haben, dass in Schweden alles schön, alles gerecht, alles nachhaltig, alles perfekt ist und alle glücklich sind.
00:17:28: Und ich glaube, das ist auch ein kleiner Mythos, den wir in Deutschland haben von Schweden.
00:17:33: Wir haben so dieses typische Bullaby-Bild, vielleicht auch alles, das so ein bisschen Zwar einerseits über modernes, aber andererseits, dass man auch hier immer noch die heile Welt hat, nach der wir uns ja heute in diesen schweren Zeiten auch alle sehen.
00:17:45: Aber natürlich ist das Leben hier nicht so, wie wir es uns in Deutschland vorstellen.
00:17:50: Und ich bin natürlich nach Schweden gekommen, auch mit dieser Wunschvorstellung in gewisser Weise, habe aber relativ schnell gelernt, dass auch uns Schweden das Leben natürlich auch seine Schattenseiten hat.
00:18:00: Beziehungsweise, dass es eben ein ganz, ganz normales Land ist, wie jedes Land auf der Welt und dass auch hier Probleme gibt.
00:18:08: Die Bürokratie beispielsweise ist teilweise auch zäh und für Ausländer, wenn man hier neu anfängt, gar nicht leicht zu durchblicken.
00:18:16: Es gibt viele Regeln, die man nicht kennt.
00:18:19: Das Gesundheitssystem hat auf jeden Fall Entwicklungsbedarf, sagen wir es mal so, es gibt viele negative Seiten gerade am Gesundheitssystem.
00:18:27: Und manche Dinge sind ja einfach super teuer.
00:18:30: und sehr viel teurer als in Deutschland.
00:18:32: Und ich hatte vorher so die Vorstellung, dass die Leute in Schweden wahrscheinlich super viel Geld verdienen.
00:18:37: Aber tatsächlich ist das Durchschnittsbeinkommen um die tausend Euro niedriger in Schweden als in Deutschland.
00:18:43: Und dennoch schneidet Schweden und schneidet die Skandinavischen Länder ja beim World Happiness Report meistens sehr, sehr gut ab.
00:18:50: Und hier leben ja auch nachweislich statistisch gesehen mit die glücklichsten Menschen der Welt.
00:18:55: Und ich frag mich so ein bisschen, woran das liegt oder Ich kann mir denken, woran das liegt, denn ich glaube, das liegt an dem schwedischen Grundprinzip der Lebenseinstellung, nämlich Lagom.
00:19:07: Lagom ist ein schwedisches Wort, das man nicht wirklich übersetzen kann.
00:19:10: Es ist aber ein wunderschönes Wort und das ist das Prinzip, dass man nicht zu viel und nicht zu wenig hat im Leben.
00:19:16: Auch bei jedem Verhalten, dass die Leute an den Tag zeigen, das steckt halt meist auch hinter dieser schwedischen Freundlichkeit, weil wir als Deutsche die Schweden als unglaublich freundlich empfinden.
00:19:25: Aber dahinter steckt eben auch dieses Prinzip des Lagums, dass man einfach auch freundlich gegenüber anderen ist, andere so behandelt, wie man selbst behandelt werden möchte und all diese Dinge.
00:19:36: Und ich glaube, die Menschen hier im Norden Europas, die haben verstanden, dass das Leben nicht daraus besteht, nur zu arbeiten und nicht daraus besteht, nur Geld zu verdienen, sondern dass es eben darum geht, auch ein gutes Mittelmaß im Leben zu haben, Mittelmaß zwischen einer Familie und Hobbys arbeiten.
00:19:55: Geld haben und auch persönliche Zufriedenheit, persönliches Glück.
00:19:59: Und dieses Prinzip habe ich auch sehr in meinen Alltag integriert mit der Zeit, denn ich finde, dass wir dadurch alle in unserer Familie sehr, sehr viel entspannter geworden sind.
00:20:09: Das geht nicht mehr darum, die tollsten Urlaube zu machen, sondern es ist auch okay, wenn man einfach mit dem Wohnwagen... mal ins Viel fährt und einfach die Natur genießt beispielsweise.
00:20:20: Wir haben sicherlich weniger Geld als wir es damals in Deutschland hatten, aber wir haben so viel mehr Zufriedenheit gewonnen durch das Leben hier oben, dass es uns schon stark verändert hat.
00:20:32: Aber um zu diesem Mythos zurückzukommen, ich glaube das perfekte Leben In Schweden existiert so nicht.
00:20:38: Das Land hat auch viele Probleme, wirtschaftliche Probleme momentan, soziale Probleme, Probleme in der Kriminalität.
00:20:44: Darüber habt ihr vielleicht auch schon mal was gehört.
00:20:47: Dass es hier tatsächlich viel mehr Kriminalität gibt, also vor zehn oder zwanzig Jahren.
00:20:52: Natürlich leben wir ja in Schweden auch nicht in der Dämonen, sondern die ganzen geopolitischen globalen Probleme.
00:21:00: kommen natürlich auch hier im Land an, in dem zum Beispiel die Preise sehr viel teurer geworden sind.
00:21:05: Das Wohnen mehr kostet, die Immobilienpreise steigen und so weiter und so fort.
00:21:10: Dennoch habe ich das Gefühl, die Leute, die jammern hier nicht so viel wie in Deutschland.
00:21:15: Das kann natürlich nur mein persönliches Empfinden sein, aber wenn ich in Deutschland bin, habe ich immer das Gefühl, dass alle irgendwie so schlechte Laune haben und dass eigentlich alles schlecht ist für viele Menschen, obwohl, wenn ich jetzt nach Deutschland komme, und ich bin so ein, zwei Mal im Jahr in Deutschland, dann habe ich immer das Gefühl, dass Deutschland ein unglaublich reiches Land ist und ich kann gar nicht verstehen, warum die Leute so unzufrieden mit vielen Dingen sind.
00:21:37: Und was ich damit eigentlich nur sagen möchte ist, dass ich glaube, das perfekte Leben hat gar nichts mit Schweden an sich zu tun, sondern mit der Einstellung zum Leben, die eben von einem selbst heraus kommen muss.
00:21:50: Denn wenn man nicht von sich selbst heraus ein bisschen versucht, mit dem glücklich zu sein, was man hat und auf das stolz zu sein, was man erreicht hat bisher im Leben und gar nicht immer noch denkt, die anderen haben aber mehr, den anderen geht es viel besser.
00:22:03: Ich glaube, dann wird man automatisch sehr viel entspannter und kann ein sehr viel positiveres und glücklicheres Leben führen.
00:22:11: Und ich glaube, das gelingt auch in Deutschland.
00:22:15: Und das passt doch ganz gut zu meinem letzten Mythos, über den ich mit euch reden möchte, nämlich der Mythos von der schwedischen Gelassenheit.
00:22:23: Die Schweden gelten ja als sehr, sehr ruhig, höflich und gelassen und das stimmt auch irgendwie, aber das heißt nicht, dass sie keine eigene Meinung haben.
00:22:31: Sie zeigen ihre Meinung nur ganz anders, als wir es in Deutschland tun.
00:22:36: Und das hat was mit der Kommunikation zu tun.
00:22:38: In Deutschland wird sehr direkt kommuniziert.
00:22:40: Man kann offen sagen, oh, das finde ich jetzt blöd.
00:22:43: Oder man kann auch mal von seinem Chef gesagt bekommen, ja, also das müssen Sie bitte überarbeiten, das können Sie besser.
00:22:49: Oder der Chef sagt vielleicht auch direkt, okay, Sie müssen jetzt Überstunden machen, keine Ahnung.
00:22:54: Solche Dinge, sondern Deutschland relativ einfach zu sagen, man kann auch direkt jemanden fragen, wie geht's dir?
00:22:59: Und immer wenn ich in Deutschland bin, finde ich es total lustig, dass ich erstmal so einen kleinen Kulturschock wieder habe, weil die... Leute, ihre Fragen so direkt stellen.
00:23:07: Also wenn ich Freunde treffe, die ich lange nicht gesehen habe, dann fragen sie sofort, ja und wie ist es jetzt in Schweden?
00:23:12: Gefällt es dir da?
00:23:12: Gefällt es dir da nicht?
00:23:13: Was ist jetzt besser?
00:23:14: Warum findest du es besser in Schweden als in Deutschland?
00:23:16: Wie ist es so mit dem Geld?
00:23:16: Kommt dir klar?
00:23:17: Also so, wisst ihr, so sehr, sehr direkte Fragen, die gestellt werden.
00:23:22: Und das ist in Schweden ein richtiges No-Go.
00:23:24: Wenn man zum Beispiel in Deutschland sagt, das finde ich doof oder eine blöde Idee, dann würde man in Schweden eher sagen, mmh.
00:23:30: Das ist aber interessant und tatsächlich führt das ganz oft zu Missverständnissen zwischen Deutschen und Schweden, denn die Schweden würden niemals direkt sagen, wenn sie eine Idee oder einen Ansatz eben nicht so gut finden, sondern sie sagen, dass sehr, sehr freundlich und umschreiben ist.
00:23:50: Und um zu verstehen, was genau sie meinen, muss man genau auf den Tonfall achten, wie es gemeint wird.
00:23:56: Und das ist etwas, das kann man nicht lernen, selbst wenn man die Sprache lernt.
00:24:00: Das muss man wirklich lernen durch Erfahrungen im Leben in Schweden, also durch Erfahrungen, die man als Auswandererin oder als Auswanderer macht.
00:24:08: Und das ist gar nicht so einfach und teilweise auch echt frustrierend.
00:24:12: Denn... In der ersten Zeit war ich sehr oft lost in translation, muss ich sagen.
00:24:16: Mittlerweile habe ich mich ganz gut dran gewöhnt und weiß auch, ein bisschen mehr damit anzufangen, wenn mir ein Gegenüber über seine Meinung versucht auszudrücken.
00:24:27: Und ich weiß auch, dass nicht alles, was als positiv beschrieben wird, auch positiv gemeint ist.
00:24:33: Aber das zu verstehen ist ein sehr langer Prozess, den man nicht so einfach irgendwie überspringen kann.
00:24:39: Was die schwedische Gelassenheit angeht, muss ich dem aber zustimmen.
00:24:42: Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie gelassen die Menschen hier sind.
00:24:46: Und wahrscheinlich je weiter man in den Norden kommt, je weiter man sich von den Großstädten entfernt, desto gelassener sind die Menschen.
00:24:52: Das hat sicherlich bei uns im Norden auch was mit dem Wetter zu tun.
00:24:55: Denn wir sind sehr, sehr abhängig von der Natur.
00:24:58: Wir leben hier schon verstreut und einzeln und auch einsam im Vergleich zu Deutschland.
00:25:03: Und man kann nun mal das Wetter nicht ändern.
00:25:07: Wenn ein Schneesturm kommt, dann kann es schon passieren, dass man hier mehrere Tage eingeschneit ist.
00:25:11: Es ist uns auch schon mehrfach passiert, dass wir einfach das Haus nicht verlassen konnten, dass wir unser Grundstück nicht verlassen konnten, weil wir so viel Schnee hatten auf einmal.
00:25:19: Und dann steht die Zeit ein bisschen still, denn man kann nicht wirklich planen und man muss dann eine gewisse Gelassenheit an den Tag legen.
00:25:30: Es ist dann zwar ärgerlich, dass man zum Beispiel nicht zur Arbeit kommen kann, weil man eingeschneidt ist, aber im Endeffekt ist auch dann der Arbeitgeber gelassen und weiß, dass man das einfach nicht ändern kann.
00:25:40: Und diese Einstellung zum Leben, diese Gelassenheit finde ich super, super angenehm und entspannt.
00:25:45: Und ich bin eigentlich überhaupt kein gelassener Mensch, ich bin ziemlich ungeduldig.
00:25:49: Und vor allen Dingen plane ich gerne und wenn meine Pläne dann nicht aufgehen, dann bin ich auch ziemlich frustriert.
00:25:55: Aber ich habe mir in den Jahren, in denen ich je lebe, schon eine große Scheibe von den Schweden abschneiden können und von der schwedischen Einstellung abschneiden können und habe gemerkt, dass es wirklich viele Dinge gibt, die man im Leben nicht ändern kann und dass ich mich auf mich konzentrieren muss und auf meine aktuellen Bedürfnisse.
00:26:14: Und wenn es bei mir gerade eigentlich warm und gemütlich im Haus ist, ich genug zu essen vor Ort habe, dann wird sich das schon irgendwie lösen.
00:26:21: Und das ist auch ein Leitspruch von den Leuten hier, die sagen ganz häufig einfach, der Lösser sei.
00:26:26: Also, das löst sich schon irgendwie.
00:26:28: Richtig, nicht auf, bleibt entspannt.
00:26:31: Und ja, genieße dein Leben.
00:26:34: Und das finde ich eine ganz tolle Einstellung.
00:26:37: Was ich manchmal wirklich schwierig finde, ist, dass es eben keine direkte Kommunikation gibt und dass wenn ich auf, wenn ich beispielsweise, ich bin ja auch selbstständig, wenn ich ein Angebot schreibe, wo ich vorher schon Kontakt hatte und dann gesagt wurde, ja, es hört sich super an, toll, das machen wir.
00:26:53: und dann keine Rückmeldung kommt, dann heißt das eigentlich, nein, wir fanden es nicht toll und wir sind nicht interessiert.
00:27:00: An dieses Ghosten, was hier in Schweden relativ normal ist, finde ich ein bisschen anstrengend.
00:27:06: Das ist also bei allen möglichen Situationen, so beispielsweise, wenn man jetzt einen bei dem Panda zu klein anzeigen in Schweden irgendwas verkaufen möchte und die Leute stellen eine Frage, man antwortet und die Antwort passt ihnen jetzt nicht, dann antworten sie einfach nicht mehr und melden sich nie wieder.
00:27:23: und das ist ein ganz normales Verhalten in Schweden, was aber aus deutscher Sicht oftmals auch ein bisschen unfreundlich ist und was definitiv zu einem kleinen Kulturschock führen kann, wenn man hier lebt und auf das man sich definitiv vorbereiten sollte.
00:27:38: Ich muss sagen, auf der anderen Seite ist die direkte Kommunikation, die wir in Deutschland haben, manchmal auch ganz praktisch, denn wir hatten schon viele Probleme mit unseren Autos, einfach weil Autos in diesem harschen Klima des Nordens ständig kaputt gehen.
00:27:51: Und es ist ganz normal, dass ein Auto hier mal drei bis vier Wochen in der Werkstatt ist, obwohl man es eigentlich braucht.
00:27:59: Und manchmal muss ich sagen, nutze ich meine direkte Kommunikationsart aus Deutschland dann auch und bin sehr direkt und sage so, jetzt reicht's mir, aber ich möchte jetzt bitte mein Auto wieder haben und ich möchte, dass es bis Ende Woche fertig ist.
00:28:09: Punkt.
00:28:10: Und davon sind die Leute dann manchmal so geschockt, weil das so ein ungeschriebenes Gesetz ist entschieden, dass man sich so nicht verhält, dass sich dann aber doch auch manchmal ein bisschen dafür sorgen kann, dass die Handwerker ein bisschen schneller arbeiten.
00:28:25: Es ist natürlich jetzt nur ein kleines Geheimnis, aber falls ihr das mal in Schweden braucht, dann könnt ihr das ruhig mal ab und an anwenden.
00:28:32: Aber nur wenn es euch eigentlich egal ist, was die Leute von euch denken und ihr vielleicht nicht vorab nochmal zu der Werkstatt zu gehen.
00:28:39: So, das war jetzt ein kleiner Einblick in den Alltag in Schweden.
00:28:43: Jedenseits von Zimtstecken.
00:28:44: Okay, ein bisschen gegen Zimtstecken, aber nicht so viel.
00:28:46: Ikea und Elchen.
00:28:48: Und in der nächsten Folge werde ich mit einer anderen Auswandererin reden, die sich dazu entschieden hat, hier in Schweden zu leben.
00:28:56: Und sogar gerade dabei ist, eine Familie zu gründen.
00:28:58: Das war super spannend.
00:29:00: Und wenn dir diese Folge gefallen hat, dann abonnier auf jeden Fall diesen neuen Podcast Polarfunk.
00:29:07: Schreibt mir gerne auch auf Instagram unter Arctic for Beginners, wenn du Fragen hast oder schreibt doch mal in die Kommentare, ob dir diese Folge gefallen hat, ob wir uns wieder hören wollen und ob du noch mehr Mythen und Vorurteile zum Leben in Schweden kennst, die ich hier vielleicht besprechen sollte.
00:29:24: Aber bevor ich es vergesse... möchte ich natürlich noch an meine Nordnotiz von heute anschließen.
00:29:30: Denn es ist tatsächlich so, dass in Schweden viele Menschen keine Vorhänge aufhängen.
00:29:36: Und das ist eigentlich ein total interessanter Grund.
00:29:37: Das ist nämlich ein historischer und kultureller Grund.
00:29:40: Früher galt es nämlich als Zeichen von Offenheit und Ehrlichkeit, wenn man nichts von den Fenstern hat.
00:29:46: Man zeigt also so seinen Mitmenschen, dass man nichts zu verbergen hat.
00:29:49: Und irgendwie ist das auch bis heute so geblieben.
00:29:52: denn Offenheit und Vertrauen sind wirklich ein ganz wichtiger Teil der Alltagskultur in Schweden.
00:29:58: Und jetzt fragt ihr euch vielleicht, woher eigentlich jetzt diese berühmte Redewendung hinter schwedischen Gardinensitzen herkommt.
00:30:05: Und ganz ehrlich, die hätte damit gar nichts zu tun, das ist eine deutsche Redewendung.
00:30:09: Und sie stand aus einer Zeit, in der schwedische Gefängnisse in Deutschland als besonders modern und menschlich wahrgenommen wurden.
00:30:16: Denn damals war Schweden das erste Land, das begonnen hat, diese Strafen ein bisschen menschlicher zu gestalten.
00:30:24: Und da fing man eben an, die Zellen für die Gefängnisinsassen ein bisschen heller zu gestalten.
00:30:30: Das gab auf einmal Tageslicht und tatsächlich gab es da auch echte Gardinen vor den Fenstern, teilweise sogar Zimmerpflanzen, um das den Bewohnern ein bisschen gemütlicher zu machen, während sie ihren Aufenthalt dort verbrachten.
00:30:47: Und deutsche Besucher fanden das damals richtig absurd, also absurd freundlich, dass sie daraus dieses Sprichwort machten.
00:30:53: Also schwedische Gardinen standen eigentlich für Menschlichkeit und nicht für Härte.
00:30:57: Und ich finde, das passt ganz gut zum Norden.
00:31:00: Und das sind ja auch genau die Dinge, die wir in Skandinavien so lieben.
00:31:05: Für mich heißt es jetzt erstmal Heydo und bis zum nächsten Mal bei Polarfolk.
Astrid Schlüter
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