Episode 3 - Work-Life-Balance und flache Hierarchien: So funktioniert Arbeiten im hohen Norden
Shownotes
Hej Hej aus Lappland!
Willkommen zu einer neuen Folge des Polarfunk Podcasts! In Episode 3 hat sich Wiebke dem Thema „Work-Life-Balance und flache Hierarchien: So funktioniert Arbeiten im hohen Norden“ gewidmet. Ob du von einer Auswanderung träumst oder dich einfach für die schwedische Arbeitskultur interessierst: Diese Folge liefert spannende Insights und persönliche Geschichten!
Schwedische Arbeitskultur aus erster Hand. Wiebke teilt offen ihre Erfahrungen: Von einer anstrengenden Zeit als Lehrerin in Deutschland, zur Suche nach mehr Familie, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance in Schweden. Hier haben Wiebke und ihr Mann echte Unterschiede erlebt – vor allem, wie wertgeschätzt Familie und Freizeit werden.
Drei Begriffe, die Schweden prägen:
Lagom: Nicht zu viel, nicht zu wenig – lieber Balance statt immer Vollgas.
Fika: Mehr als nur Kaffeepause! Es geht um soziale Momente mit Kolleg*innen und Gespräche über Familie, Hobbys und das Leben (Kuchen ist optional).
Flache Hierarchien: Die Meinung der Mitarbeitenden wird gehört und Entscheidungen im Team getroffen. Weniger „der Chef übernimmt alles“, dafür mehr Mitbestimmung.
Work-Life-Balance und Flexibilität In Schweden gibt es oft flexible Arbeitszeiten, Homeoffice ist weit verbreitet – und Arbeitgeber achten darauf, dass du nicht ausbrennst. 25 Urlaubstage sind Standard, und es gibt zahlreiche Sozialleistungen. Gerade für Eltern ist Schweden attraktiv!
Vorschau Die nächste Folge wird weihnachtlich: Wiebke spricht mit einem besonderen Gast über schwedische Weihnachtsrituale. Sei gespannt!
Hat dir die Folge gefallen? Teile sie mit Freund*innen, die über Auswanderung nachdenken und hinterlasse gerne eine Bewertung. Fragen oder Themenwünsche? Schreib in die Kommentare!
Frohe Vorweihnachtszeit und bis zur nächsten Folge!
Transkript anzeigen
00:00:00: Hey, ich bin Diebke.
00:00:01: Ich lebe seit vielen Jahren ganz im Norden von Schweden.
00:00:04: Und das hier?
00:00:05: Das ist Polarfunk.
00:00:08: Hände ich das Leben mit Schnee und Eis, aber auch die skandinavische Lebensart interessiert, dann bist du hier genau richtig.
00:00:16: Polarfunk, mein Podcast mit Geschichten aus dem Norden.
00:00:21: Hey, hey und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Polarfunk, dein Podcast aus dem hohen Norden.
00:00:27: Ich bin Wiebke und ich habe es mir gerade so richtig gemütlich gemacht.
00:00:31: Ich habe nämlich den Kamin angemacht, weil wir heizen unser Holzhaus in Lapland ja größtenteils mit Holz.
00:00:37: Und dann habe ich mir eine Taste Tee gemacht und habe mich jetzt hier ganz gemütlich hingesetzt, um für euch diesen Podcast aufzunehmen.
00:00:45: Ich dachte mir, als Thema der heutigen Sendung nehme ich mir ein Thema, also die mich ständig Fragen bekomme, sehr häufig Fragen, nämlich das Thema Arbeiten in Schweden.
00:00:56: Egal ob du darüber nachdenkst auszuwandern oder einfach die schwedische Arbeitskultur ein bisschen kennenlernen möchtest, dann ist diese Folge auf jeden Fall für dich.
00:01:05: Ich nehme dich ein bisschen mit durch meinen Alltag, durch die kleinen Unterschiede und auch die großen Vorteile, die ich hier sehe.
00:01:11: Aber ich teile auch ein paar meiner Stolperfallen, die ich in den letzten vier Jahren, an denen ich hier in Schweden gearbeitet habe, erleben durfte.
00:01:19: Aber wie immer am Anfang... kommt eine kleine Nordnotiz, also eine Frage, die ich euch heute stelle und am Ende dieser Episode auflöse.
00:01:27: Also bleib gern bis zum Schluss.
00:01:30: Und zwar habe ich ein bisschen recherchiert für diese Folge und bin auf einen interessanten Fakt gestoßen und ich wollte die Frage gleich mal an euch weitergeben, denn was glaubst du, wie groß ist der Anteil der Menschen in Schäden, die regelmäßig im Homeoffice arbeiten und... liegt Schweden über oder unter dem europäischen Durchschnitt.
00:01:48: Ich gebe euch die Antwort auf die Frage am Ende der Folge und erkläre auch kurz, was das für die Leute bedeutet, die hier arbeiten wollen.
00:01:54: Ich dachte mir, bevor wir jetzt so richtig in das allgemeine Thema einsteigen, also das allgemeine Thema Arbeiten in Schweden, erzähle ich ein bisschen was von mir, denn ich lebe ja jetzt schon seit Jahrzehnteilundzwanzig in Schweden und habe hier natürlich auch gearbeitet in der Zeit und arbeite natürlich jetzt auch.
00:02:12: Und ja, warum sind wir eigentlich in Schweden gelandet?
00:02:15: Die Frage wird mir ganz oft gestellt.
00:02:17: Ich bin jetzt mal auf die Arbeit beziehend, denn das Arbeiten oder die Vorstellung vom Arbeiten in Schweden hat bei uns eine ganz, ganz große Rolle gespielt bei der Wahl von Schweden als neues Heimatort oder als Land zum Wohnen.
00:02:29: Denn mein Mann und ich, wir waren ziemlich frustriert, dass es in Deutschland in unserem Bereich, aus dem wir kommen, wir sind beiden Lehrer.
00:02:35: Und ja, dass man zwar einerseits sehr gut bezahlt wird und auch einen sicheren Arbeitsplatz hat, aber das andereseits Dinge, die man halt so nicht sieht, wenn man von außen auf die Schule guckt.
00:02:44: Aber dass es andererseits halt eine sehr, sehr hohe Arbeitsbelastung ist.
00:02:46: Man wirklich von morgens bis abends mehr oder weniger in der Schule ist.
00:02:50: Und man auch so ein Einzelkämpfer ist in Deutschland als Lehrer.
00:02:53: Zumindest haben wir das so empfunden.
00:02:55: Und da wir drei kleine Kinder hatten, damals waren unsere Kinder noch relativ klein, meine Kinder waren da zwei, sechs, genau zwei, sechs und sieben, als wir nach Schweden gekommen sind.
00:03:07: Und das heißt, die waren halt noch recht klein und brauchten eigentlich auch relativ viel Mama-Papa-Zeit.
00:03:13: Und wir hatten beide das Gefühl, dass das überhaupt nicht geht, wenn wir beide Vollzeit arbeiten.
00:03:18: Und da waren so viele Punkte, wo wir uns in Deutschland gerade was die Arbeit anging, super, super schlecht gefühlt haben.
00:03:23: Besonders auch mein Mann, denn der hat sich in Deutschland ja so ein bisschen schlecht gefühlt, was seine Rolle als Vater anging.
00:03:31: Denn wenn er mal zu Hause geblieben ist, weil die Kinder krank waren, Dann hat seine Chefin schon gesagt, warum kann das nicht ihre Frau machen?
00:03:39: Und wir hatten das Gefühl, dass es gar nicht gleichberechtigt ist, wie wir uns das vorgestellt haben.
00:03:45: Und ja, da wir Freunde in Schweden haben, die auch in Schweden natürlich arbeiten, haben wir so ein bisschen schon die Möglichkeit gehabt, über den Tellerrand zu gucken und haben uns gedacht, okay, in Schweden gibt es eine ganz andere Work-Live-Balance, Familie wird ganz anders wertgeschätzt und auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist in Schweden einfach ganz anders als in Deutschland.
00:04:04: Das waren für uns so ganz große und wichtige Punkte, was halt wir nach Schweden ausgewandert sind.
00:04:09: Ich muss natürlich sagen, dass man in Schweden trotzdem auch arbeitet.
00:04:12: Also mein erster Gedanke war, als ich in Schweden ankam, oh mein Gott, hier wird eigentlich gar nicht gearbeitet.
00:04:18: Aber mittlerweile kann ich sagen, es wird schon auch gearbeitet.
00:04:21: Der Nachteil in Schweden ist, dass in vielen Jobs leider die Löhne viel schlechter sind als in Deutschland.
00:04:26: Ich glaube, das war uns vorher zum Beispiel nicht so bewusst.
00:04:29: dann gibt es aber wieder Jobs, die in Deutschland sehr viel schlechter bezahlt sind und in Schweden sehr viel besser bezahlt sind.
00:04:33: Also da muss man immer so ein bisschen gucken nach seiner Profession, ob es sich lohnt, nach Schweden zu gehen oder warum man auswandern möchte.
00:04:41: Vielleicht, weil du gar nicht auswandern möchtest, ist es aber trotzdem interessant, für dich hier zuzuhören, denn ich möchte auch ein bisschen was über die schwedische Kultur und die Arbeitsmentalität und auch die Werte der schwedischen Kultur sozusagen erzählen.
00:04:53: Und das finde ich auch immer sehr auch interessant, wenn man ein Land einfach nur gerne mag und gar nicht unbedingt auswandern möchte.
00:04:59: Bei der Arbeitskultur und den Werten in Schweden muss man sich... drei Begriffe eigentlich sehr gut merken, bevor man hierher kommt, oder die halt extrem wichtig sind in der schwedischen Arbeitskultur.
00:05:12: Und da haben wir einmal Lagom, das schwedische Wort, was ich nicht übersetzen lässt.
00:05:17: Dazu werde ich gleich was sagen.
00:05:18: Fika, natürlich kennt ihr wahrscheinlich schon, Fika habe ich auch schon in der ersten Folge drüber gesprochen.
00:05:24: Und ganz wichtig ist auch eine flache Hierarchie, also eine flache Organisation innerhalb des Arbeitsplatzes.
00:05:31: Also fangen wir mal an.
00:05:33: Lagom kann man, wie gesagt, nicht übersetzen.
00:05:35: Das ist ein typisch schwedisches Wort, was ich wirklich lieb gewonnen habe in den letzten vier Jahren hier.
00:05:41: Und es heißt soviel wie nicht so viel und nicht so wenig.
00:05:44: Das ist aber kein starres Gesetz, sondern eher eine Einstellung zum Leben.
00:05:48: Und Lagom im Bereich der Arbeit bedeutet auch, dass es eher... Negativ auffällt, wenn man so ist wie in Deutschland, also man die gleiche Arbeitsmentalität hat wie in Deutschland.
00:05:59: Das heißt, wenn man immer der Beste sein will, immer dreimal so viel Macht wie alle anderen und dafür auch gerne von seinem Chef gelobt wird, dann wird man sich wahrscheinlich in dieser Arbeitskultur nicht so wohl fühlen, denn hier gilt es, dass man nicht unbedingt heraussticht, sondern ungefähr so viel macht wie alle anderen und einfach nicht zu viel und nicht zu wenig macht.
00:06:16: Und ganz wichtig auch für den schwedischen Arbeitgeber ist, dass man nicht nur die Arbeit als Lebensmittelpunkt hat.
00:06:22: Mein Chef zum Beispiel hat mal zu mir gesagt, das ist ja nicht sehr lustig, der hat mich mal zur Seite genommen und hat gesagt, also Wiebke, du arbeitest einfach viel zu viel, du bist nur am Arbeiten.
00:06:30: Warum bist du da so deutsch?
00:06:31: Und da habe ich nur gesagt, naja, es ist halt wichtig und ja, ich arbeite ja auch gerne.
00:06:36: Und ich muss sagen, ich habe mir versucht, ein bisschen das anzunehmen von ihm auf.
00:06:39: wenn es mir nicht so leicht fällt.
00:06:40: Und wenn man sagt, ich arbeite weniger und habe auch ein bisschen mehr Freizeit in meinem Leben.
00:06:45: Mein Chef hat noch zu mir gesagt, dass es sehr wichtig ist, um Leben auch Freizeit zu haben und dass ich doch mir ein Hobby suchen soll.
00:06:52: Und er hat vorgeschlagen, ich sollte doch Skifahren.
00:06:54: Und dann habe ich gesagt, naja, ich kann nicht Skifahren, ich bin Mitte dreißig.
00:06:57: Ich weiß jetzt nicht, ob das die beste Idee ist, wenn ich mit Skifahren anfange.
00:07:00: Und dann meinte er doch, doch, du musst unbedingt Skifahren lernen.
00:07:03: Er war auch schon erwachsen, als er es gelernt hat.
00:07:05: Und das macht so viel Spaß.
00:07:06: Und ich dachte mir dann einfach nur, welcher Chef in Deutschland würde einem Arbeitnehmer tatsächlich vorschlagen, dass man Skifahren geht, also richtig Abfahrts-Ski macht.
00:07:14: Da ist ja das Verletzungsrisiko schon auch gegeben.
00:07:17: Und musste so ein bisschen schmunzeln, weil das für mich einfach ein Typ Beispiel für dieses Lagom ist, was ich tatsächlich erst lernen musste und wo ich auch immer noch nicht hundertprozentig gut drin bin.
00:07:27: Dann als nächstes hatte ich ja Fika genannt.
00:07:29: Und Fika, das stellen wir uns in Deutschland immer vor, dass so einfach nur Kaffee trinken ist und Kuchen essen, am besten Prinzessinnen-Torte.
00:07:37: Aber wie ich das ja schon in der ersten Folge so ein bisschen gesagt habe, ist es gar nicht unbedingt das Kaffee trinken, um das es geht und vor allen Dingen nicht das süße essen, denn meistens würden Schweden gar nicht Süßes gegessen.
00:07:47: zu Fika.
00:07:48: in so zumindest im Arbeitskontext nicht, sondern es ist ein ganz wichtiger eingeplanter sozialer Moment im Arbeitsalltag.
00:07:56: Und dort werden halt Beziehungen geknüpft und es ist sehr wichtig, dass man zu diesen Fikerterminen hingeht, die stehen auch richtig im Arbeitskalender drin.
00:08:05: Und wenn man da nicht hingeht, Dann ist das auf jeden Fall, wird das negativ wahrgenommen.
00:08:10: Und wenn man dann aber hingeht zu der Figur, dann ist es wichtig, dass man sich nicht über die Arbeit unterhält, sondern über eher persönliche Dinge, die aber möglichst unverfänglich sind.
00:08:19: Es wird vor allem vielen nach der Familie gefragt, und die Familie ist in Schweden wirklich sehr wichtig.
00:08:24: Und es wird viel gefragt, wie es den Kindern geht oder den Eltern, was man am Wochenende macht, welche Hobbys man hat.
00:08:30: Wenn man keine Familie hat, auch noch den Haustieren, die werden dann quasi mit einbezogen, dann wird viel nach den Hunden gefragt.
00:08:36: Hier in Nordschweden haben unglaublich viele Leute Hunde, die gehören wirklich zum Leben dazu.
00:08:40: Und es ist eigentlich ein nettes Beisammensein.
00:08:43: Ich muss aber sagen, wenn man die Sprache noch nicht zu kann und auch diesen kulturellen Code noch nicht ganz verstanden hat, dann ist dieses Fika-Meeting tatsächlich immer ganz schön stressig.
00:08:52: Einfach, weil man nicht so richtig weiß, wie man sich verhalten soll, weil man Angst hat, nicht alles zu verstehen, weil man Angst hat, sich zu blalmieren und nicht perfekt zu sprechen.
00:09:00: Und da ist es ganz wichtig, dass, falls ihr mal in so einer Situation sein solltet, dass ihr da einfach euren Mut zusammen nehmt.
00:09:06: Die Schweden sind superfreundlich und finden es gar nicht schlimm, wenn man irgendwie was falsch sagt auf schwedisch, also sprachlich, warum man sich gar keine Gedanken machen.
00:09:14: Kulturell kann man sich schon bisschen Gedanken machen, weil die Schweden zeigen einem dann auch relativ schnell, wenn man ein Thema anschneidet, was gerade nicht passend ist.
00:09:22: Das werdet ihr dann schon merken.
00:09:23: Sie werden aber nicht direkt zu euch sagen, dass ihr darüber nicht reden möchten, aber sie werden es euch zeigen.
00:09:27: Dann zu dem Punkt flache Hierarchien.
00:09:30: Flache Hierarchien bedeuten das, was du dir wahrscheinlich schon denken kannst, nämlich der Chef ist nicht unbedingt der Entscheidungsträger in einer Firma oder in einer Schule, in der ich ja gearbeitet habe.
00:09:43: Denn wahrscheinlich wirst du sehr, sehr viel mehr gefragt in Schweden, wie du etwas entscheiden würdest oder welche Haltung zu dir in bestimmten Dingen ist.
00:09:52: Und du hast auch sehr viel mehr Entscheidungsspielraum als in Deutschland.
00:09:56: Ich würde schon sagen, dass es ein großer Vorteil ist, aber an dem muss man sich auch erst gewöhnen.
00:10:00: Also so wie in Deutschland, dass man die Verantwortung an seinen Chef abgeben kann, so funktioniert das hier eigentlich nicht, sondern man erwartet hier schon, dass jeder Mitarbeiter selbst aktiv wird.
00:10:11: selbst Entscheidungen treffen kann, auch mal vielleicht ein bisschen out of the box denkt, also ein bisschen über seinen Horizont, seinen Arbeitsfeld hinaus denkt und auch ja bei Entscheidungen, große Entscheidungen, die die Firma oder eben auch die Schule wie in meinem Fall betreffen, da wird eben auch die Meinung von allen Mitarbeitern gehört und es wird auch versucht, es allen recht zu machen.
00:10:35: Und das Problem ist ein bisschen dabei, dass halt die Schweden dazu neigen Konflikte nicht auszutragen.
00:10:41: Und das heißt zwar nicht, dass niemand etwas sagt, aber wenn etwas gesagt wird, wird das meist sehr höflich gesagt und von außen betrachtet für uns als Deutsche, die wir doch sehr direkt kommunizieren.
00:10:51: Das ist manchmal etwas schwierig zu erkennen, was ist jetzt Kritik und wie ist jetzt genau deine Haltung oder deine Meinung zu einem Thema.
00:10:58: Übrigens habe ich nicht nur an der Schule gearbeitet, ich wollte darüber noch weiter erzählen.
00:11:02: Nämlich, ich bin Lehrerin und ich habe hier in Schweden vier Schuljahre als Lehrerin gearbeitet, habe mich aber vor zwei Jahren selbstständig gemacht, also habe nebenbei noch eine Firma aufgebaut und habe auch bei einem Unternehmen noch zusätzlich gearbeitet, das Fotobücher macht und hier in Schweden ansässig ist und für dieses Unternehmen habe ich die deutschen Marketingtexte geschrieben, die Newsletter geschrieben und solche Dinge.
00:11:29: Also da habe ich einen ganz guten Einblick in viele Bereiche, also einmal öffentlicher Dienst.
00:11:34: und dann privates Unternehmen und dann eben noch Selbstständige, sodass ich da einen kleinen Überblick über vieles geben kann.
00:11:41: Deswegen ist mein Arbeitsalltag natürlich auch super unterschiedlich gewesen oder auch immer noch sehr abwechslungsreich.
00:11:46: Aber ich versuche das mal so ein bisschen runterzubrechen, wie so die Rahmenbedingungen und wie so der Arbeitsalltag hier in Schweden ist.
00:11:53: Und meistens ist es so, z.B.
00:11:55: was ich sehr cool finde, dass viele Firmen haben flexible Arbeitszeitmodelle und Homeoffice ist auch super weit verbreitet in Schweden.
00:12:02: Dazu erkläre ich dann nochmal genauer was in der Norden Diets.
00:12:05: Und ich fand das total toll, z.B.
00:12:07: als wir in der Schule gearbeitet haben, mein Mann und ich, wir haben beide an der gleichen Schule gearbeitet.
00:12:11: Da war das immer so, dass derjenige, der Kollege, der den Stundenplan gemacht hat, der hat den extra so gemacht, dass wir ganz selten zur ersten Stunde in der Schule sein mussten, weil er wusste, dass wir drei Kinder haben, die wir morgens haben.
00:12:23: noch zur Schule bringen müssen und dass es morgens manchmal etwas länger dauern kann.
00:12:27: Und ich finde das total toll, dass die Arbeitszeiten da wirklich an die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter angepasst werden.
00:12:33: Es gab auch andere Mitarbeiter, die möchten halt ganz gerne früh schon in der ersten Stunde in der Klasse stehen, damit sie am Nachmittag mehr Zeit haben.
00:12:40: Und so wurde das dann wirklich an die einzelnen Bedürfnisse versucht anzupassen, was ich super toll finde.
00:12:46: Und auch bei den anderen Firmen oder bei vielen Firmen hier in Schweden gibt es eben diese Flexiblenmodelle.
00:12:51: dass man eben so Flex-Modelle hat und ein bisschen entscheiden kann, wann man beginnt zu arbeiten.
00:12:57: Vielleicht noch mal als harten Fakt, also in Urlaub ist es so, dass dir ungefähr twenty-fünf Tage Jahresurlaub zustehen und das geht als Standard, aber es gibt darüber hinaus immer noch weitere Verträge, wo noch weitere Urlaubstage drinstehen könnten.
00:13:13: Das heißt also, gesetzlich stehen aber halt twenty-fünf Tage zu.
00:13:16: Aber es kann natürlich auch mehr sein.
00:13:18: In Schweden wird auf jeden Fall die Work-Life-Balance super ernst genommen.
00:13:22: Und das lässt sich auch in den OECD-Werten merken, denn der Jahresarbeitsumfang in Schweden liegt spürbar unter manchen anderen OECD-Ländern.
00:13:34: Und das merkt man halt auch in der Praxis.
00:13:35: Also es wird verstanden, wenn man quasi unbezahlten Urlaub nimmt und lieber etwas in der Freizeit machen möchte.
00:13:41: Dafür haben die Arbeitgeber hier sehr viel Verständnis und es ist halt vor allen Dingen auch einfach ein Teil der Arbeitskultur, das Work-Life-Balance sehr wichtig ist.
00:13:50: Das liegt sicherlich auch daran, dass man einfach sagt, man möchte langfristig mit einem Arbeitnehmer zusammenarbeiten und möchte nicht, dass diese Person ausbrennt.
00:13:58: Also das Thema Burnout ist in Schweden ein sehr weitverbreites Thema in dem Sinne, dass es das gibt, sondern es ist einfach angekommen in der Gesellschaft, dass es Burnout gibt und die Arbeitgeber versuchen dem wirklich aktiv entgegen zu lenken.
00:14:13: Und da wird sehr viel habe ich das Gefühl, sehr viel drauf geachtet.
00:14:16: Das wird sehr ernst genommen.
00:14:17: Und das fand ich total schön, weil in dem Punkt hat sich natürlich unser Wunsch mit unserem Umzug nach Schweden absolut, absolut erfüllt.
00:14:25: Denn wir sind sehr viel entspannter geworden, wir sind sehr weniger überlastet und haben eine ganz andere Work-Life-Balance als in Deutschland.
00:14:32: Obwohl wir lange Arbeitszeiten haben und lange Arbeitstage haben, aber einfach die ganze Struktur, wie die Arbeit aufgebaut ist, ist tatsächlich sehr viel entspannter als in Deutschland.
00:14:43: um jetzt bei dem Lehrerjob zu bleiben.
00:14:46: Bei Lehrern wird halt sehr viel Zeit eingeplant, um den Unterricht vor und nachzubereiten.
00:14:51: Auch die ganze Vorbereitung soll halt in der Schule stattfinden und nicht zu Hause unbedingt.
00:14:55: Und ja, ich fand es halt so angenehm, ein Büro in der Schule zu haben, meine Arbeitsmateriale dazu haben und auch die Möglichkeit einfach zu haben.
00:15:03: da vor Ort zu arbeiten und wirklich Zeit zu haben nach den Stunden und mir Dinge aufzuschreiben, E-Mails an die Eltern zu schreiben etc.
00:15:11: Alles Dinge, die in Deutschland halt irgendwann am Nachmittag oder am Abend gemacht werden oder eben am Wochenende.
00:15:16: und da ist finde ich halt super, dass es hier schon eingeplant ist in die reguläre Arbeitszeit.
00:15:20: Ansonsten gibt es natürlich in Schweden unglaublich viele Sozialleistungen und Unterstützungsangebote und eben auch Dinge wie Elternzeit.
00:15:30: All diese Dinge sind super gut ausgebaut und das macht Schweden halt besonders für Eltern attraktiv.
00:15:35: Und das ist jetzt einfach nur meine persönliche Wahrnehmung, kein juristischer Rat.
00:15:40: Also ihr müsst natürlich immer selber, wenn ihr einem auswandern wollt, euch informieren darüber.
00:15:45: Aber ich finde schon, dass man als Familie ein unglaublich gutes Leben in Schweden führen kann im Vergleich zu Deutschland.
00:15:52: Wenn euch das Thema Familie in Schweden interessiert und schreibt doch mal in die Kommentare, ob ich da zu meiner eigene Folge machen machen soll.
00:15:59: Dann kann ich euch mal raussuchen, was es hier so für Angebote gibt, wie Familien unterstützt werden und was der Staat tut, dass Familien mit Kindern sich wohlfühlen.
00:16:07: Ja, vielleicht ein Punkt, in dem sich der Arbeitsalltag in Schweden gar nicht so stark unterscheidet von Deutschland, aber dann doch irgendwie anders ist, sind viele Konferenzen.
00:16:16: Ich weiß nicht genau, wie es in eurem Bereich ist, in dem ihr arbeitet, aber hier in Schweden gibt es in zahlreichen Firmen und auch von meinen Freundinnen und Freunden, was ich so höre, wo die arbeiten, sehr, sehr viele Mythen, also Konferenzen.
00:16:30: Und diese Konferenzen, also in der Schule zum Beispiel, haben wir zweimal die Woche Konferenzen, in denen wir uns treffen, Meeting, es kann man auch sagen, es klingt nicht so groß das Wort wie Konferenz.
00:16:40: Aber auf jeden Fall bei diesen Treffen ist es extrem wichtig, dass man daran teilnimmt natürlich, aber was ich aus Deutschland sich da immer sehr, sehr schräg finde, ist, dass es dass dort sehr, sehr viel diskutiert wird.
00:16:52: Und da komme ich wieder auf die flachen Hierarchien zurück.
00:16:54: Da werden also Dinge diskutiert, die ganz oft meiner Ansicht nach eher Aufgaben von anderen Mitarbeitern in der Firma oder in der Schule sind und gar nicht meine Aufgaben.
00:17:05: Aber dennoch wird halt mit allen Beteiligten diskutiert.
00:17:09: Es wird sehr, sehr lange diskutiert, als wenn wird Ewigkeiten gebraucht, bis man einen Beschluss getroffen hat, denn es sollen am Ende alle zufrieden sein, mit dem Beschluss, der getroffen wurde.
00:17:19: Und die, solange nicht alle zufrieden sind, wird weiter diskutiert.
00:17:24: Und es ist auch nicht erst einmal passiert, dass diese Meetings dann vertagt wurden und eine Woche später kam das Thema wieder auf den Tisch und es wurde weiter diskutiert.
00:17:34: Und da muss ich schon sagen, dass ich mir manchmal einfach so diese deutsche direkte Art und Weise wünsche.
00:17:40: einfach weil ich so unglaublich viel Zeit in diesen Meetings verbracht habe und mich mal gefragt habe, was ich da eigentlich mache.
00:17:45: Und da ist diese deutsche direkte Art einfach mal auf den Tisch hauen und sagen wir, wir machen das jetzt so Punkt oder der Chef entscheidet.
00:17:53: Auch manchmal gar nicht so schlecht, aber tja.
00:17:57: Man kann es nicht ändern.
00:17:58: und natürlich, wenn man ein Land auswandert, muss man sich natürlich an die Gegebenheiten in dem Land anpassen.
00:18:03: Man muss versuchen, sich zu integrieren, einfach damit man auch ein gutes Leben nehmen kann, Freunde finden kann und ankommen kann in dem Land.
00:18:09: Aber so als kleiner Tipp, das ist schon etwas speziell in Schweden und darauf muss man sich, glaube ich, einstellen, wenn man in Schweden arbeiten möchte.
00:18:16: Und das ist, glaube ich, auch egal, in welchem Bereich man in Schweden arbeiten würde.
00:18:20: Wenn du jetzt überlegst, auch nach Schweden zu.
00:18:23: ziehen und hier zu arbeiten, dann kann ich dir vielleicht ein paar wichtige Dinge mit auf den Weg geben, Dinge, die du brauchst.
00:18:30: Denn meine Erfahrung ist, dass es gar nicht so leicht ist, aus Deutschland heraus einen Job in Schweden zu bekommen.
00:18:34: Das schreiben mir ganz viele von meinen Zuschauern, von meiner Community.
00:18:39: Bei Instagram kriege ich oftmals Nachrichten, dass es echt nicht einfach ist.
00:18:43: Ich kann euch aber auch sagen, auch innerhalb Schweden ist es nicht so einfach, wenn man angekommen ist, einen Job zu finden als Ausländer.
00:18:48: und auch momentan gibt es auf jeden Fall eine Krise auf dem Arbeitsmarkt in Schweden.
00:18:52: Das heißt, wir haben eine sehr hohe Arbeitslosenquote und vielleicht ist das gerade nicht der allerbeste Zeitpunkt, aber man kann natürlich immer darauf hoffen, dass man in seiner Branche was findet.
00:19:02: Besonders gesucht wird auf jeden Fall in dem Bereich Erziehung und Bildung, also alles, was mit Kindern zu tun hat.
00:19:08: Da werden viele arbeitskräfte gesucht, Lehrer erinnern.
00:19:12: Dann gibt es hier etwas heisst Friedrichspedagog.
00:19:14: Das sind quasi in Deutschland Wer Freizeitpädagoge wäre jetzt die Übersetzung?
00:19:18: Aber das sind so Hortnerinnen und Hortner, die mit Jugendlichen und Kindern arbeiten im Nachmittagsbereich.
00:19:23: Gesucht werden auch viele Kindergärtner.
00:19:26: Also da in dem Bereich kann man ganz gut, glaube ich, Jobs finden.
00:19:29: Natürlich muss man da auch polizeiliches Führungszeug ins Anreich.
00:19:31: Man muss eine anerkannte Ausbildung haben und das ist eben nicht immer so leicht, weil viele Jobs sind, bei denen man studiert haben muss, an einer Universität und in Deutschland, das ist Ausbildungsberufe.
00:19:41: Da muss man sich dann schlau machen, wie die Anerkennung ist, aber meistens kriegt man das auch irgendwie hin.
00:19:46: Ja, ansonsten ist der Bereich Medizin, also auch da, was mit Menschen zu tun hat, Da gibt es nach wie vor sehr viele Arbeitsplätze, die nicht besetzt sind.
00:19:54: Also als Ärzte, Krankenschwestern, Pflegerinnen und Pfleger im Seniorenheim.
00:19:59: Da sind auch Jobs, die wirklich gesucht werden.
00:20:02: Und die Baubranche, also ich sag mal alles, was so deutsche Handwerker sind, sind in Schweden auch immer sehr, sehr gerne gesehen.
00:20:09: Erst mal verdienen die sehr viel in Schweden im Vergleich zu Deutschland, hab ich mir sagen lassen.
00:20:13: Ich bin nicht aus der Branche, aber mir wurde es erzählt, dass man da wohl sehr gut verdienen kann.
00:20:17: Und dafür muss man sich natürlich dann selbstständig machen.
00:20:20: Aber Handwerker sind auch definitiv nach wie vor Mangelware in Schweden und werden immer wieder gerne auch genommen und gesucht.
00:20:28: Und da kann man ganz gut was finden.
00:20:30: Aber wenn man jetzt ernsthaft darüber nachdenkt, nach in Schweden zu arbeiten, dann sollte man sich darüber informieren, wie man die Personennummer bekommt.
00:20:37: Denn ohne die Personennummer ist es extrem schwer, einen Job zu kriegen bzw.
00:20:41: dieser ganze Prozess ist schwierig.
00:20:43: Das hatten wir damals auch.
00:20:44: Wir sind nach Schweden gekommen, haben die Personennummer beantragt und haben viele Monate darauf warten müssen.
00:20:49: Und leider war es dann so, dass unser Arbeitgeber gesagt hat, er kann uns nicht bezahlen.
00:20:53: Wir haben das dann aber durchbekommen, dass wir über E-Bahn, weil die nutzen keinen E-Bahn in Schweden, sondern die haben ein anderes Bankkontosystem, dass es dann irgendwie doch ging, dass wir die ersten Monate Geld bekommen haben.
00:21:05: Aber ja, diese Personennummer, das ist extrem wichtig, weil über diese persönliche Identifikationsnummer läuft einfach alles in Schweden.
00:21:14: Es könnte schon sein, dass es besser ist, erst nach Schweden zu ziehen, die Personennummer zu haben und sich dann nach einem Job umzugucken.
00:21:19: Wobei das natürlich immer die Krux ist.
00:21:21: Wie macht man das zuerst zu ersten Haus oder zu ersten Job?
00:21:24: Wir hatten halt zuerst den Job, haben uns dann um ein Haus gekümmert.
00:21:27: Aber ich glaube, beide Wege sind auch irgendwie auf ihre eigene Art und Weise stressig.
00:21:32: Ja, wenn man dann die Personennummer hat, dann kann man einen Bankkonto eröffnen und muss BankID beantragen.
00:21:37: Und das ist für natürlich Gehaltszahlung und für alle digitalen Services in Schweden Pflicht.
00:21:42: Also BankID braucht man auch um sein Haus zu kaufen, um einen Vertrag abzuschließen, auch ein Handyvertrag oder sonst was.
00:21:49: Also für alles, um an seine Krankenakte zu kommen.
00:21:52: Also für alles braucht man in Schweden dieses BankID-Verfahren.
00:21:55: Und das macht man, indem man erst die Personennummer hat.
00:21:58: Da muss man einen Ausweis beantragen.
00:22:00: Mit dem Ausweis kann man zur Bank gehen und ein Konto öffnen und dann auch BankID beantragen.
00:22:05: Und das sind immer Sachen, die mir keiner gesagt hat vorher.
00:22:07: Die finde ich auch nicht so richtig offensichtlich irgendwo stehen.
00:22:11: Deswegen kann ich euch diesen Tipp auf jeden Fall geben.
00:22:14: Ja, gerade wenn ihr euch dann selbstständig machen wollt vielleicht auch oder wenn ihr natürlich hier arbeiten wollt, dann ist Schwedischlernen super wichtig.
00:22:21: Englisch reicht zwar oft in Schweden, aber natürlich möchten die Schweden schon gerne, auch wenn man hier erlebt und arbeitet, dass man dann auch die Sprache kann.
00:22:30: Und gerade am Arbeitsplatz öffnet die schwedische Sprache einfach so viele Türen.
00:22:35: Man kann so viele Leute kennenlernen, man kann in Kontakt mit Menschen treten.
00:22:38: Und man hat einfach bessere Karrierechancen, wenn man die Sprache kann.
00:22:41: Und ich glaube sogar, dass man, wenn man Deutsch als Muttersprache hat und gut schwedisch kann, ganz gute Karrierechancen hat.
00:22:47: Denn die deutsche Sprache ist super wichtig in Schweden.
00:22:49: Viele Menschen lernen Deutsch in der Schule.
00:22:52: Und Deutschland ist der wichtigste Handelspartner für Schweden.
00:22:55: Also ich kann mir schon vorstellen, dass man da auch gute Jobchancen hat, wenn man gut schwedisch kann.
00:22:59: Und wenn man da noch Deutsch als Muttersprache hat, dann hat man wahrscheinlich in vielen Bereichen wird man ganz gerne gesehen und ganz gerne genommen und findet ganz gut einen Job.
00:23:08: Ja, was ganz schräg ist in Schweden, vielleicht auch ganz wichtig zu wissen für diejenigen, die gerne auswandern möchten, ist, dass die Verträge hier häufig digital sind, die Arbeitsverträge, auch sie sind sehr klein im Vergleich zu Deutschland, also Gefühl zwei Seiten.
00:23:23: Da steht nicht so viel drin in den Arbeitsverträgen, also wenn ihr so einen Vertrag ergattert habt und einen Job bekommen habt, dann wundert euch nicht.
00:23:29: Die Arbeitsverträge in Schweden sind meistens wirklich... sehr kurz gehalten.
00:23:34: Und ich fand es sehr, sehr schräg, dass man hier in Schweden immer ein Lönesamtal, also es gibt zwei verschiedene Termine mit seinem Chef im Jahr, einmal ein Mitarbeiter-Samtal und ein Lönesamtal.
00:23:46: Bei dem Mitarbeiter-Gespräch geht es darum, wie man sich fühlt, wie die Arbeit läuft, ob man vielleicht ein bisschen mehr machen könnte.
00:23:54: oder eben in meinem Fall, dass ich ein bisschen weniger arbeiten soll.
00:23:58: Also das wird in diesen Mitarbeitergesprächen geklärt und quasi auf dessen Basis gibt es ein halbes Jahr später ein Lönesamtal und das Lönesamtal, da werden Gehaltsverhandlungen geführt.
00:24:08: und das ist relativ normal innerhalb der schwedischen Arbeitskultur, dass man einmal pro Jahr seinen Gehalt neu verhandelt.
00:24:16: und hier soll man auch, tja, eben... für sich einstehen und sagen, dass man eine Gehaltserhöhung haben möchte.
00:24:23: Für die meisten Berufe in Schweden werden die Löhne individuell verhandelt.
00:24:27: Also auch für Lehrerinnen und Lehrer ist es so, dass man einen individuell ausgehandelten Lohn hat.
00:24:32: Und das fand ich halt super schwierig, am Anfang meinen Lohn wirklich auszuhandeln.
00:24:36: Aber hier in Schweden ist das ziemlich, ziemlich normal.
00:24:39: Wenn ihr dann hierher gekommen seid und Anfang zu arbeiten, dann habe ich auch ein paar Tipps für euch.
00:24:45: Denn das ist gar nicht so einfach in Schweden Fuß zu fassen, muss man einfach sagen.
00:24:49: Die Leute sind schon sehr in sich gekehrt, ist glaube ich das richtige Wort.
00:24:54: Also sie sind super nett und freundlich, aber es ist schwer, Freundschaften zu wohnen.
00:24:57: schließen und auch am Arbeitsplatz ist es nicht so leicht Freundschaften zu schließen.
00:25:02: Deswegen kann ich euch als Tipp auf jeden Fall mitgeben, dass ihr euch lokale Facebook Gruppen sucht.
00:25:08: Hier läuft in Schweden so gut wie alles über Facebook.
00:25:10: Facebook ist ja in Deutschland glaube ich nicht mehr so das Ding, aber hier in Schweden natürlich.
00:25:14: Schon.
00:25:15: Und hier gibt es immer wieder lokale Gruppen da, wo man wohnt.
00:25:19: Es gibt auch so Meetup-Gruppen, es gibt auch Expat-Gruppen, mal so für Auswanderer.
00:25:23: Und es gibt auch viele deutsche Gruppen tatsächlich bei Facebook, also Deutsche in Schweden, dann gibt es deutsche in Stockholm
00:25:29: etc.,
00:25:30: Deutsche in Ümio und so weiter und so fort.
00:25:32: Und die organisieren Treffen.
00:25:33: Und es ist ganz wichtig, dass man da auch hingeht, um ein bisschen zu Netzwerken, neue Leute kennenzulernen und dass man sich da traut, auf andere zuzugehen.
00:25:41: Weil nur am Arbeitsplatz ist es wahrscheinlich schwierig.
00:25:44: Ich muss auch sagen, ich habe mich am Anfang ein bisschen einsam gefühlt in Schweden und hatte es anfangs auch schwer, wenn ich in der ersten Schule an der ich gearbeitet habe, mit meinen Kolleginnen und Kollegen so in Kontakt zu treten.
00:25:57: Einfach, weil die sehr verschlossen wirkten und ich dann auch denen nicht auf die Nerven gehen wollte.
00:26:02: Im Endeffekt habe ich aber auch von meiner ersten Schule zwei Freundschaften geschlossen mit Kolleginnen und jetzt an meiner zweiten Schule an der ich gearbeitet habe, da habe ich mich ehrlich gesagt total wohlgefühlt, was die Kollegen anging.
00:26:13: Es war ein superfreundliches Collegium, sehr, sehr supportive und jetzt sind da keine richtigen großen Freundschaften daraus entstanden.
00:26:20: Aber jedes Mal, wenn ich hingekommen bin, habe ich mich einfach so wohl gefühlt und eben nicht so als Einzelkämpferin wie in Deutschland.
00:26:26: In Deutschland ist es ja auch so ein bisschen getrennt, Arbeit ist... Arbeit und privat ist privat.
00:26:31: Und hier in Schweden ist es ganz witzig, dass zumindest bei uns an der Schule, an der ich jetzt arbeite und auch an den anderen Firmen, von denen ich so Kontakt hatte, ist es ganz oft so, dass eben auch viele Sachen organisiert werden.
00:26:42: Also After Work wird öfter mal organisiert oder man trifft sich bei einem Kollegen und feiert.
00:26:47: Also das wird schon gemacht und Daraus entstehen aber trotzdem nicht die tiefen Freundschaften, aber es wird auf jeden Fall versucht, alle mit einzubinden.
00:26:54: Und da sollte man nicht schüchtern sein und dem Zusagen und kommen und mitmachen, auch wenn es ein bisschen schräg ist für uns teilweise aus einer anderen Kultur.
00:27:03: Aber es macht auf jeden Fall einen sehr, sehr großen Unterschied, ob man sich da blicken lässt oder nicht.
00:27:07: Herausfordernd muss ich auch sagen, finde ich und fand ich die schwedische Bürokratie.
00:27:12: Denn Bürokratie ist, glaube ich, in jedem Land ein Problem und da ist Schweden keine Ausnahme.
00:27:17: Also es läuft doch alles ein bisschen anders, als man es gewohnt ist.
00:27:20: Manche Entscheidungen werden getroffen, die man nicht ganz nachvollziehen kann.
00:27:23: Und ja, da ist es auf jeden Fall schwierig, reinzukommen.
00:27:28: Und da kann ich euch nur sagen, bringt Geduld mit und versucht das Beste daraus zu machen.
00:27:33: Man kann natürlich die Ohren nicht schneller zum Ticken bringen.
00:27:36: Aber man muss versuchen, da so ein bisschen Geduld mitzubringen.
00:27:38: Aber man kann sich schon mal vom Voraus darauf einstellen, dass es eventuell ein bisschen schwierig wird mit der Bürokratie.
00:27:44: Tja, und vielleicht auch noch eine Herausforderung und einen Rat, den ich euch mitgeben kann, solltet ihr in Schweden arbeiten und Arbeit finden und hier leben wollen, dann solltet ihr auf jeden Fall lernen, in diesen Meetings euch einzubringen.
00:27:56: Schweigen heißt nicht unbedingt Zustimmung für die Schweden.
00:28:00: Du wirst auch manchmal direkt gefragt, was du dazu denkst.
00:28:03: Selten, aber wenn du zu lange nichts gesagt hast, dann kann das schon passieren.
00:28:07: Und dann ist es aber auch wichtig, dass man trotzdem seine Meinung nicht zu direkt Deutsch ausspricht, sondern sie versucht ein bisschen zu verpacken und ganz freundlich und ein bisschen neutral zu formulieren, sag ich mal.
00:28:21: Aber ich denke, dass eine Auswanderung auch immer ein Lernprozess ist.
00:28:27: Also wenn du jetzt in ein anderes Land auswanderst, sei es nun Schweden oder ein anderes, das spielt glaube ich keine Rolle, egal wie gut du glaubst, das Land schon zu kennen.
00:28:36: Ich habe, bevor ich ausgewandert bin, mal von jemandem gehört, es ist was ganz anderes, wenn du dann da lebst als wenn du Urlaub machst und das stimmt leider total.
00:28:45: Also es ändert sich so viel, wenn man dann in dem Land lebt und wenn man dann ankommen möchte, dann merkt man, dass man das Land eigentlich nur aus Urlaubsperspektive kannte.
00:28:54: Und die ist halt tatsächlich eine andere.
00:28:56: Aber es ist ein Lernprozess, der sehr viel Spaß macht, der einen sehr, sehr, sehr viel weiterbringt im Leben.
00:29:02: Also auch wenn man nach ein paar Jahren wieder zurück nach Deutschland geht, hat man so unglaublich viel gelernt, dass es einfach nur eine positive Erfahrung ist.
00:29:10: Und deswegen sollte man diese ganzen Hürden, die man auch hat, eher als Lernhürden oder als Lernprojekte sehen, als Lernfelder, die einem dabei helfen, später in anderen Aufgaben und Bereichen des Lebens gut durch diese durchzukommen und die gut zu meistern.
00:29:27: Tja, jetzt ist vielleicht die große Frage, für wen passt Schweden denn als Arbeitsland, wenn man jetzt vorhat hier nach Schweden oder wahrscheinlich auch nach Skandinavien zu gehen, weil ich kann mir vorstellen, dass die Skandinavischen denn da relativ ähnlich sind.
00:29:40: Und ja, ich habe mir so ein bisschen überlegt und Gedanken gemacht, okay, für wen passt dann Schweden eigentlich, weil ganz viele Deutsche sind dann nach einer Zeit in Schweden auch gar nicht so zufrieden.
00:29:50: Viele Leute, die ich treffe, sind nach ein paar Jahren auch genervt und gehen wieder zurück.
00:29:53: Und es hat auch oft was mit dem Arbeitsumfeld zu tun.
00:29:56: Und deswegen dachte ich mir, ich überleg mal, für wen passt dann Schweden eigentlich als Land zum Arbeiten.
00:30:02: Und meiner Meinung nach passt Schweden gut für Menschen, die Verantwortung mögen, die Teamarbeit schätzen und eine gute Work-Life-Balance suchen.
00:30:11: und auch die offen für weniger direkte Kommunikation sind.
00:30:14: Denn das ist wirklich was, was man lernen muss, weniger direkt zu kommunizieren.
00:30:19: Man muss sich anpassen in seiner Kommunikationsart, die man eben aus Deutschland gewohnt ist, da muss man sich sehr, sehr zurücknehmen.
00:30:26: Und ja, weniger gut passt es halt auf jeden Fall für Leute, die schnelle und direkte Entscheidungen brauchen oder... die eigentlich sich ganz wohl fühlen, wenn es stark hierarchische Strukturen am Arbeitsplatz sind.
00:30:42: quasi entscheidet, was zu tun ist, die volle Verantwortung übernimmt und dir deine Aufgaben direkt zuteilt, dann wirst du wahrscheinlich in Schweden nicht unbedingt so zufrieden sein, weil du einfach sehr viel mehr selber agieren musst.
00:30:54: Und das kann natürlich auch viele Leute total stressen.
00:30:56: Und ich muss auch sagen, ich hatte auch teilweise schon auch viel Stress deswegen, weil ich nicht genau wusste, was von mir erwartet wird.
00:31:03: Und manchmal musste ich eben an der Schule auch Aufgaben machen, die nicht unbedingt in meiner klassischen Jobbeschreibung stehen würden.
00:31:11: Aber wenn man das halt gar nicht machen möchte, dann ist man wahrscheinlich in Schweden eher unglücklich, was das Arbeiten angeht.
00:31:17: Natürlich kann sich auch jeder selbstständig machen.
00:31:20: Dazu gibt es in Schweden so verschiedene Formen der Selbstständigkeit.
00:31:23: Und natürlich bist du dann dein eigener Herr und kannst das wahrscheinlich ganz ähnlich machen wie in Deutschland.
00:31:28: Aber diese ganze Selbstständigkeitsgeschichte würde jetzt hier so ein bisschen in den Rahmen sprengen.
00:31:33: Weshalb ich das jetzt ein bisschen ausklammere.
00:31:36: Ich bin jetzt ehrlich gesagt ganz gespannt, wer hier von euch eigentlich zuhört und vielleicht gibt es ja hier jemanden, der auch im Ausland arbeitet und ich frage mich, ob ihr vielleicht mal in die Kommentare schreiben wollt, wo ihr arbeitet, ob ihr da auch Kultur-Shocks erlebt habt, ob ihr, falls ihr auch in Schweden, Dänemark, Norwegen, Island arbeitet, ob ihr da vielleicht ich nicht Erfahrung gemacht habe, wie ich.
00:32:00: Das würde mich auf jeden Fall total interessieren.
00:32:02: Ich liebe den Austausch mit euch und ich finde es total spannend, von anderen zu lesen.
00:32:06: Und ich habe das mal vor ein paar Wochen auf Instagram gemacht, einfach mal gefragt, wo die Leute überall herkommen, die dazugucken.
00:32:12: Und ich war so überrascht, wie viele Leute wirklich der ganzen Welt verteilt sind.
00:32:16: Und ja, vielleicht hören ja hier auch einige zu, die ganz weit weg wohnen und etwas berichten können.
00:32:21: Ich würde mich auf jeden Fall freuen, von euch zu lesen.
00:32:24: Und bevor wir jetzt am Ende der Folge angekommen sind, möchte ich natürlich noch die Nordnotiz mit euch auflösen.
00:32:31: Tja, und hierbei mag es euch vielleicht nicht überraschen, dass das hoch digitalisierte Schweden natürlich ein Vorreiter im Homeoffice ist.
00:32:41: Denn ganz kurz und präzise gesagt, ich habe jetzt hier nur Daten von Portal der Europäischen Union für arbeiten.
00:32:52: Und damals haben vierzehn Komma drei Prozent der Erwerbstätigen angegeben, immer im Home Office zu arbeiten.
00:32:59: Zusätzlich dazu haben aber ungefähr einund dreißig Prozent angegeben, dass sie schon manchmal auch von zu Hause aus arbeiten.
00:33:06: Und dabei liegt halt Schweden sehr, sehr weit über dem.
00:33:09: EU-Durchschnitt, denn in Schweden sind es im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr.
00:33:30: Und es ist relativ häufig so, was ich von anderen höre, die halt angestellt sind in großen Unternehmen, dass es erlaubt ist, einen Tag die Woche im Homeoffice zu arbeiten.
00:33:40: Teilweise sagen Unternehmen auch, dass es immer okay ist, im Homeoffice zu arbeiten, aber es gibt ja noch einen Arbeitsplatz, also im Büro.
00:33:46: Man kann quasi flexibel entscheiden, wo man arbeiten möchte.
00:33:49: Aber trotzdem hängt natürlich vieles vom Arbeitgeber, der Branche und der Position ab.
00:33:53: Denn natürlich kann man in manchen Arbeitsplätzen gar nicht im Homeoffice arbeiten.
00:33:58: Also ein Chirurg.
00:33:59: würde jetzt wahrscheinlich eher im Krankenhaus arbeiten als von zu Hause aus.
00:34:03: Vielleicht als kleiner Tipp, wenn du gerne im Homeoffice arbeiten möchtest, solltest du wahrscheinlich direkt im Vorstellungsgespräch fragen, wie da so die Aufteilung in dem Unternehmen ist, in den Vorstellungsgesprächen, die ich in Schweden hatte, auch in anderen Branchen.
00:34:16: Da wurde mir das eigentlich direkt präsentiert, wie das in dem Unternehmen läuft.
00:34:20: Und da war es meistens so, dass es... entweder komplett Homeoffice war oder eben nur eine hybride Arbeitswoche mit drei Tagen im Office und zwei Tagen zu Hause zum Beispiel.
00:34:30: Tja, ich möchte dich jetzt ganz lieb bei dir bedanken, dass du heute wieder dabei warst bei Polarfunk.
00:34:36: Wenn dir die Folge gefallen hat und auch die anderen Folgen gefallen haben, dann abonniere Polarfunk auf jeden Fall, du unterstützt mich dabei sehr.
00:34:43: und verschicke den Link des Podcasts zum Beispiel auch an jemanden, der vielleicht auch darüber nachdenkt, nach Schweden auszuwandern.
00:34:50: Hinterlasse gerne eine Bewertung, das hilft mir auch enorm, um hier einen langfristigen Podcast aufzubauen und... Ja, schreib gerne in die Kommentare, wenn du Erfahrungen vom Arbeiten im Ausland hast und wenn dich das Thema interessiert hat.
00:35:03: Ihr könnt auch gerne in die Kommentare schreiben, wenn ihr Fragen habt.
00:35:06: Die kann ich dann an späteren Folgen mal wieder aufgreifen.
00:35:09: Und ja, jetzt ist ja langsam die Weihnachtszeit.
00:35:13: Und ich habe in der nächsten Folge eine wunderbare Weihnachtsfolge geplant mit einem ganz tollen Gast und freue mich darauf, ein bisschen über Weihnachten und Weihnachtsrituale in Schweden und anderswo zu diskutieren.
00:35:28: Bis dann, wünsche ich dir alles Gute, eine schöne Woche und Heydo!
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